Fotoshooting: Märchenfiguren - von der literarischen Vorlage zum Film

Märchen eignen sich als Unterrichtsinhalt vor allem im Fach Deutsch. Je nach thematischem Schwerpunkt kommen unterschiedliche Klassenstufen dafür in Frage. Naheliegend ist sicherlich der Einsatz in der Grundschule oder in den Klassen 5/6. Dazu findet man in verschiedenen Unterrichtswerken ausführliche Materialien. Aber auch bei älteren Schüler/innen gibt es interessante Umsetzungsmöglichkeiten. Das Thema lässt sich in vielerlei Richtungen hinein ausweiten: das europäische Volksmärchen / Kunstmärchen / Märchen aus Ländern der ganzen Welt / Märchenforschung.

Aufgrund der Fülle von bereits vorhandenen Materialien verzichten wir hier auf eine grundsätzliche Sachanalyse und wenden uns dem ausgewählten Schwerpunkt zu. Im Mittelpunkt steht die Märchenfigur. Ausgehend von literarischen Vorlagen der Grimmschen Märchen stellt man bei näherer Betrachtung sehr schnell fest, dass Märchenfiguren lediglich mit einer sparsamen und reduzierten Persönlichkeit ausgestattet sind, die innerhalb der Dramaturgie eine Art Funktionalität übernimmt. Da gibt es gut und böse, fleißig und faul, schön und hässlich – im Prinzip ist es eine Schwarzweißzeichnung. Tiefgang verbunden mit einer komplexen Gedanken- und Gefühlswelt ist kein Bestandteil der Märchenfigur.
Dieser Sachverhalt erfährt in dem Moment eine gewisse Änderung, wo ein Märchen verfilmt werden soll. Schauspieler/innen stellen die Figuren dar. Die Visualisierung ist der erste Schritt zur Individualisierung. Mimik, Gestik und Aktionen verleihen die persönlichen Merkmale und Eigenschaften.


Tipp

Wir haben für das Medienzentrum eine ganze Reihe von neuen Märchenverfilmungen angeschafft, die in Ergänzung zum eigentlichen Film fast immer umfangreiche Extras beinhalten. Hier wird u. a. auf die Besetzungen mit den jeweiligen Schauspielern eingegangen. Regisseur und Darsteller kommen zu Wort und äußern sich zu Stoff, Inszenierung und Rollen. Es lohnt sich diese Extras zu studieren. Daraus lässt sich eine Vielzahl an Ideen für den Unterricht ableiten.


Bei unserem Beispiel geht es nun darum, wie eine Darstellerin in eine Filmfigur verwandelt wird. Um das Hineinschlüpfen in eine Rolle besonders deutlich zu machen, sind die Schülerinnen immer in zwei grundverschiedenen Outfits porträtiert worden: Outfit 1 nach freier Wahl, Outfit 2 als Märchenfigur.

An dieser Stelle ist es angebracht, ein paar Worte zur Realisierung anzumerken: Wir haben vorliegendes Beispiel mit vier Schülerinnen aus Klasse 7 erstellt. Die Mädchen waren für ihre Kostüme selbstverantwortlich. Sie waren sehr motiviert und hatten Spaß an dieser Aufgabe. Diese Aktion ist also sicher nicht vergleichbar mit der Durchführung in der ganzen Klasse. Sie ist aber ein gutes Beispiel für Individualisierung und Differenzierung. Für die Lehrperson sind solche Prozesse immer eine Herausforderung. Für die Schüler/innen ist es aber eine große Chance zur Selbstverwirklichung und zum intensiven Lernen. Es lohnt sich!

Die selbst produzierten Hintergründe der Portraits sind durch Beamer-Projektionen erzeugt worden. Ideal ist es, eine Rückprojektionsleinwand zu verwenden. Es funktioniert aber auch mit einer Projektion von vorne. Die fotografische Realisierung erfordert drei Arbeitskräfte: Fotograf, Beleuchter, Assistent. Zur Unterstützung der Darstellerinnen werden für Maske etc. zwei Mädchen zusätzlich beschäftigt.

Im Folgenden nun einige Arbeitsergebnisse mit Erläuterungen.

Leonie

Elfen und Feen sind typische Märchenfiguren. In ein solches Wesen mit magischen Kräften hat sich Leonie verwandelt. Zunächst haben wir Portraits hergestellt, die sie im selbst ausgewählten Outfit zeigen. In der Folge sehen Sie Fotos von der Märchenfigur, bei denen Leonie unterschiedliche Momente und Stimmungen darstellt.

Marie

Marie hatte sich die Aufgabe gestellt, eine böse Figur zu spielen. Neben der Mimik ist hier vor allem das Licht von entscheidender Bedeutung. Das kommt besonders zum Ausdruck, wenn man das Portrait zum Vergleich heranzieht, in dem Marie das gleiche Kostüm trägt, die Inszenierung ist aber völlig anders gewählt.

Lorena

Lorena musste als Rotkäppchen verschiedene Emotionen umsetzen. Interessant ist auch die unterschiedliche Wirkung des jeweiligen Hintergrunds. Insgesamt wurden die Hintergründe so gewählt, dass sie durch ihren abstrakten Charakter die beabsichtigte Wirkung des Portraits unterstützen. Es ging hier nicht um eine gegenständliche und konkrete Darstellung der Umgebung. Im Mittelpunkt steht die Figur, nicht der Schauplatz.

Melissa

Auch Melissa hat sich mit dem Gretchen eine klassische Märchenfigur ausgesucht. Neben dem Kostüm war es hier wichtig, die Haare stilmäßig entsprechend anzupassen. Daran kann man erkennen, welche Details berücksichtigt werden müssen, wenn eine Figur in sich stimmig sein soll. Selbstverständlich verstecken sich in vielen Bildern trotzdem kleine „Fehler“. Hier muss man natürlich die Grenzen eines solchen Unterrichtsprojektes gegenüber einer professionellen Produktion sehen.

Zusammenfassung

Das oben beschriebene Unterrichtsprojekt beinhaltet eine Fülle von mediengestalterischen Inhalten und Zielsetzungen. Für die Schüler/innen eröffnet es neue Möglichkeiten bei künftigen Anwendungen mit aktiver Medienarbeit. So können wir dieses Beispiel durchaus als wichtigen curricularen Baustein bezeichnen.  

Wie bereits erwähnt, kann das Medienzentrum für die Durchführung wichtige Unterstützungsleistungen anbieten. Die einzelnen Prozesse lassen sich zwar beschreiben, besser und effektiver ist es aber, wenn wir Ihnen direkt zeigen, wie man das Licht setzt, mit welchen Einstellungen man an der Fotokamera welche Wirkung erzielen kann.

Kommen Sie einfach auf uns zu. Wir zeigen Ihnen, wie es gehen kann. 

Abschließende Anmerkungen

Das Projekt erweitert in vielerlei Hinsicht die Kompetenzen der Schüler/innen für aktive Medienarbeit: Umgang mit der Produktionstechnik, kreative Ideen realisieren, im Team Entscheidungen treffen, durch Aufgabenverteilung Arbeitsprozesse strukturieren und bessere Qualität erzielen. Es wird der Blick geschärft für wichtige Details und daraus resultierend die Bereitschaft gefördert, mit Sorgfalt, Geduld und Ausdauer an der Verwirklichung der Ideen zu arbeiten.