Mikrofone

Ob bei einer Liveübertragung oder einer Aufnahmesituation, es ist immer von Vorteil, wenn man für den Einsatz von Mikrofonen über ein Basiswissen verfügt. Schließlich kommt dem Mikrofon als erstem Glied im Aufnahme- oder Übertragungsprozess eine zentrale Bedeutung zu. Wer an dieser Stelle die falsche Wahl trifft oder nicht richtig positioniert, der handelt sich bereits hier entscheidende Qualitätsverluste ein.

Wir halten in unserem Verleih ganz verschiedene Mikrofontypen für unterschiedliche Anwendungen bereit. Wenn Sie uns mitteilen, was Sie vorhaben, können wir Sie beraten und das passende Equipment zusammenstellen. Dazu gehört auch das geeignete Zubehör.

Im Folgenden wollen wir Ihnen ein paar grundlegende Eigenschaften verschiedener Mikrofontypen erläutern. Es geht uns dabei nicht um die Vermittlung von Spezialwissen und die Darstellung elektro-akustischer Details. Dennoch wird man mit einigen Sachinformationen ausgestattet auf sehr einfachem Wege zu deutlich besseren Aufnahmeergebnissen gelangen. Schrecken Sie also nicht zurück, wenn Sie kein Technikfreak sind. Wir machen es kurz und gut verträglich. Sie werden sehr schnell zum praktischen Einsatz kommen, der Ihnen hoffentlich künftig die gewünschten Ergebnisse bringen wird.


I. Technisches Basiswissen

Jedes Mikrofon besitzt eine Membran, die durch Schallwellen in Schwingung versetzt wird. Die Schwingungen werden in eine elektrische Wechselspannung gewandelt. Membran und Wandler befinden sich in einem abgeschlossenen Gehäuse, das wir als Mikrofonkapsel bezeichnen.

Die verschiedenen Mikrofontypen lassen sich auf der Basis von zwei Grundprinzipien unterteilen:

  • Umwandlung von Schall in eine elektrische Spannung - Funktionsprinzip
  • Richtcharakteristik

1. Funktionsprinzipien

Beim Wandlungsprozess können wir verschiedene Funktionsprinzipien voneinander unterscheiden, die hier kurz dargestellt werden.

  • Dynamisches Mikrofon: Ein elektrischer Leiter wird im engen Spalt eines starken Magneten von der Membran hin und her bewegt. Es entsteht eine elektrische Wechselspannung. Diesen Vorgang nennt man Induktion. Dynamische Mikrofone übertragen hohe Frequenzen weniger gut, sind aber sehr robust und vertragen einen hohen Schalldruck. Sie werden daher häufig als Bühnenmikrofone eingesetzt. Das legendäre SM58 von Shure ist als Vokal-Mikrofon ein weit verbreiteter Vertreter dieser Gattung.
  • Kondensatormikrofon: Die Membran und eine feste Gegenelektrode fungieren als Kondensator. Die entstehende Wechselspannung wird direkt im Mikrofon von einem Vorverstärker verstärkt. Aus diesem Grund benötigt das Kondensatormikrofon auch eine Speisespannung, die über eine Batterie oder die Phantomspeisung eines Mischpultes hergestellt werden kann. Kondensatormikrofone sind mechanisch empfindlicher. Sie vertragen nicht den ganz hohen Schalldruck, besitzen aber eine ausgezeichnete Übertragungsqualität.
  • Elecretmikrofon: Das Funktionsprinzip entspricht dem eines Kondensatormikrofons. Eine Gleichspannung an den Elektroden ist aber nicht erforderlich, da diese im Elektrodenmaterial fest gespeichert ist. Daraus ergibt sich der Vorteil, dass man dieses Mikrofon auch mit Batterie betreiben kann. Elecretmikrofone besitzen eine gute Übertragungsqualität im Höhenbereich.


2. Richtcharakteristik

Wenn eine Schallquelle um ein Mikrofon herum wandert, so wird sie bei den meisten Mikrofonen nicht an jeder Stelle gleich bleibend übertragen. Das Ergebnis hängt von der Richtcharakteristik des Mikrofons ab (siehe Abbildung 1).

  • Kugelcharakteristik: Dies ist der einzige Typ, der aus allen Richtungen gleich gut überträgt.
  • Achtercharakteristik: Senkrecht zur Membranfläche wird der Schall in beide Richtungen am besten aufgenommen.
  • Nierencharakteristik: Sie besitzt einen hohen Übertragungsfaktor nach vorne. Von hinten ankommende Schallwellen werden nur noch schwach aufgenommen.
  • Hypernierencharakteristik: Es entsteht ein noch stärkerer Bündelungsgrad der eindringenden Schallwellen. Auch seitlicher Schall wird stark abgeschwächt. Die Superniere ist eine Art Zwischenform.

II. Praxistipps zu unseren Mikrofonen

Im Folgenden stellen wir Ihnen unser Mikrofonequipment kurz vor (siehe Abbildung 2). Wir zeigen an Beispielen auf, für welche Anwendungen die unterschiedlichen Mikrofontypen geeignet sind. Grundsätzlich bieten wir Ihnen aber auch individuelle Beratung an. Je komplexer ein Projekt ist, desto früher sollten Sie sich mit uns in Verbindung setzen. Es lohnt sich.


1. Gesang – (z.B. Band auf einer Bühne)

Wir empfehlen Mikrofone mit der Charakteristik Niere/Hyperniere: Shure SM58 / Beyer TG70Vd / Sennheiser Funkmikrofone EW Serie. Die Mikrofone sollten im Abstand von 5 – 15 cm (Nahbesprechungseffekt) zur Schallquelle positioniert sein. Damit ist eine optimale Übertragungs- und Aufnahmequalität gewährleistet. Die Stimme klingt kräftig und intim. Je weiter man sich entfernt, desto leiser und dünner wird der Klang. Diese Mikrofone sind so beschaffen, dass möglichst wenig vom übrigen Geschehen auf der Bühne erfasst wird. Das hat den Vorteil, dass man stark getrennte Signale für die Mischung erhält. Dagegen eignen sie sich aufgrund dieser Eigenschaft überhaupt nicht dafür, einen Chor zu übertragen, es sei denn, ich versorge möglichst viele Sänger/innen mit einem eigenen Mikrofon. Welches Mikrofon sich klanglich für einen bestimmten Sänger am besten eignet, hängt übrigens von seiner Stimme und dem persönlichen Geschmack ab. Hier heißt es also: probieren, dann entscheiden.

Das Shure SM58 kann ich grundsätzlich auch für die Band einsetzen, indem ich es zur Verstärkung des Gitarren- oder Bass-Signals direkt vor dem jeweiligen Lautsprecher positioniere. Bedingte Einsatzmöglichkeiten gibt es beim Schlagzeug. Hier könnte man z.B. die Snare für die Mischung abnehmen.

Für Sprecher kann man die Mikrofone immer dann einsetzen, wenn die betreffende Person das Mikrofon nah zum Mund hält (Beispiele: DJ, Ansager). Für einen Redner eignen sich diese Mikrofone weniger. Er wird einen größeren Abstand halten und sich auch vor dem Mikrofon bewegen. Hier besteht die Gefahr, dass man ihn so laut stellen muss, dass Rückkopplung entsteht. Für diese Anwendung gibt es bessere Lösungen.


2. Redner

Für diese Situation können Sie das AKG 1000s (Abstand ca. 20 – 30 cm) einsetzen oder das AKG C391 (Abstand ca. 30 – 50 cm). Sie können auch zwei Mikrofone positionieren, dann kann sich der Redner seitlich bewegen.

Für eine Präsentation empfehlen wir unsere Headsets mit Übertragung per Funk. So kann sich der Akteur frei im Raum bewegen.


3. Chor - Theater

Je nach Größe der Gruppe setzt man 2 – 4 Mikrofone ein. Hervorragend geeignet sind dafür die AKG C391 Mikrofone. Damit können Sie professionelle Ergebnisse erzielen. Lassen Sie sich bei einem solchen Projekt aber unbedingt beraten.

Wenn Sie beim Theater oder beim Musical einzelne Akteure gut übertragen wollen, sollten Sie Headsets einsetzen. Auch hier ist es wichtig, dass Sie vorher mit uns einen Plan machen.


4. Instrumente

Für viele Situationen eignet sich das AKG 1000s. Insbesondere Blasinstrumente kann man damit sehr gut übertragen und aufnehmen. Die AKG C391 lassen sich sehr gut als Overheadmikrofone einsetzen (Drums, Perkussion etc.). In unserem Tonstudio haben wir eine Reihe weiterer Mikrofone für Spezialanwendungen. So gibt es beispielsweise von Sennheiser ein Mikrofonset für Schlagzeugabnahme. Auch hier gilt: Wir beraten Sie gerne.


5. Hörspielaufnahme

Ein vielseitig verwendbares Aufnahmegerät ist der Zoom Handyrekorder H2n. Dieses Gerät beinhaltet mehrere Mikrofonkapseln und lässt sich daher flexibel einsetzen. Die technische Handhabung erschließt sich auch für den Laien sehr leicht. Mehr Informationen finden Sie hier.

Wenn Sie direkt auf den Computer aufnehmen wollen, können Sie beispielsweise das AKG 4000 verwenden. Dieses Mikrofon kann man auf drei Charakteristiken einstellen: Niere, Hyperniere und Kugel. Wenn man eine Gruppe aufnehmen möchte, positioniert man das Mikrofon in der Mitte, stellt es auf Kugelcharakteristik ein und achtet darauf, dass alle Akteure in einem Kreis den gleichen Abstand zum Mikrofon haben.

Stereoaufnahmen können Sie mit dem Rode NT 4 machen. Bei diesem Vorhaben muss die Regie sorgfältig darauf achten, dass die Akteure entsprechend dem Szeneninhalt im Stereopanorama positioniert sind. Wenn Sie wenig Erfahrung haben mit Hörspielproduktion, dürfen Sie gerne mit uns einen Beratungstermin vereinbaren oder an einem Workshop teilnehmen.


6. Kameraaufnahmen

Für Interviews können Sie sehr gut das AKG 1000s einsetzen. In lauter Umgebung stellen Sie die Charakteristik Hyperniere ein. Sprechabstand wäre dann ca. 15 -20 cm. Wenn Sie kabellos arbeiten wollen, können Sie unser Sennheiser Kamerafunkset verwenden. Der Empfänger wird auf den Kameraschuh aufgesteckt und per Kabel mit der Kamera verbunden.

Das Rode NTG 2 eignet sich überall dort gut, wo der Abstand zum Mikrofon größer ist. Wenn man also eine Gruppe aufnehmen möchte, liegt man mit diesem Mikrofon richtig. Bei der Produktion von Spielfilmszenen wird das Mikrofon an der Tonangel befestigt. Man muss darauf achten, dass diese nicht im Bild zu sehen ist.

Das Rode NT 4 ist ein Stereomikrofon. Wenn Sie beispielsweise eine Veranstaltung dokumentieren können Sie es in der Bühnenmitte aufstellen. Sie erzielen damit sehr gute Ergebnisse. Auch ein Orchester kann man damit in guter Qualität aufnehmen. Ebenso erzielen Sie mit zwei AKG C391 Mikrofonen professionelle Ergebnisse.

Bei Aufnahmen im Freien benötigen Sie für alle Mikrofone einen geeigneten Windschutz. Dieses Zubehör erhalten Sie bei uns.


Abschließend: Wir bieten Ihnen ein reichhaltiges und sorgfältig zusammengestelltes Equipment an. Bei fachgerechtem Einsatz können Sie damit sehr gute Ergebnisse erzielen. Das ist gar nicht so schwierig, wie Sie vielleicht vermuten.